Alternative Tools: Schutz vor Tracking und Überwachung durch Big Tech
Bei dieser Kampagne kann jeder mitmachen: Für 2026 ruft das Bündnis Save Social dazu auf, weniger Tools von Big-Tech-Konzernen vor allem aus den USA und China zu nutzen – und zu alternativen Tools zu wechseln.
Gewohnheiten zu ändern ist jedoch schwer. Darum rät das Bündnis zu einer entspannten Vorgehensweise: Jeder erste Sonntag im Monat ist Digitaler Unabhängigkeitstag. Versierte Initiativen helfen Laien beim Umzug von einem Tool zum anderen. Zu den Unterstützern zählt z.B. der Chaos Computer Club.
Termine, allgemein verständliche »Wechselrezepte« und Häufig gestellte Fragen findet ihr auf der Di.Day-Seite.
Mach mit beim monatlichen #DigitalIndependenceDay. Unterstütze Alternativen und prahle damit in deinem Freundeskreis!
Als Kampagnentrainerin kann ich die Wechselbewegung nur unterstützen. Viele Organisationen kritisieren Konzernmacht. Notgedrungen nutzen sie aber selbst Datenschleudern wie Meta, um ihre Zielgruppen zu erreichen. Aus diesem Kreislauf gilt es auszubrechen. Strategie: Je mehr Leute den Konzernen ihre Liebe entziehen, desto erfolgreicher werden die Alternativen.
Bereit für einen lässigen Change? Hier sind meine persönlichen Tipps zum Schutz vor Tracking und Überwachung.
Meine persönlichen Top-10 Empfehlungen für alternative Tools
Qwant statt Google als Suchmaschine
- Qwant speichert keine persönlichen Daten.
- Server in Frankreich: Es gilt die europäische Datenschutzverordnung.
- Handy nicht vergessen! Am besten lädt man gleich auch die Qwant-App fürs Handy herunter.
- Tipp: Lege Qwant als Standard-Suchmaschine im Browser an (unter »Einstellungen«).
- Hm: Was sagt man statt »googeln«? »Qwante das mal«?! Klingt gewöhnungsbedürftig… Aber genau das bedeutet »Change«: Die Kommunikation überrascht, weil sie mit den Erwartungen bricht.
Firefox statt Google Chrome als Browser – und dazu uBlock als Werbeblocker
- Open Source
- Firefox unterdrückt Tracking schon in der Grundkonfiguration.
- Außerdem verhindert Firefox »Fingerprinting«, das Identifizieren deines Geräts durch Dritte.
- Tipps zur Firefox-Installation bietet die Di.Day-Seite.
- Firefox-Nutzungsbedingungen und Häufig gestellte Fragen
- Tipp: Als Werbeblocker verwende ich uBlock – und spare damit nebenbei Energie, weil kein unnötiger Traffic durch den Verkauf von Werbeplätzen erzeugt wird.
- »uBlock Origin« könnt ihr im Firefox-»Anwendungsmenü« herunterladen und aktivieren (unter »Erweiterungen und Themes«).
PrivadoVPN: Verschleiere deine IP-Adresse beim Surfen
- Kostenpflichtig, aber günstig (mehrere Tarife).
- Dafür gibt’s Schutz vor Hackern, Tracking und Überwachung.
- Schweizer Anbieter
- PrivadoVPN-Konto anlegen und App downloaden
- Vor dem Surfen wählt man einen Standort aus, z.B.: Wien.
- Achtung, die Standortwahl beeinflusst logisch die Suchergebnisse! Z.B. geht eine Baumarktseite bei Standortauswahl Wien davon aus, dass du in Österreich lebst… Zum Shopping wird man VPN daher eher nicht benutzen.
- Auch »Google Alerts« sind durch die Standortwahl beeinflusst. Man erhält dann z.B. Meldungen von österreichischen Medien. (Alerts ermöglichen ein Monitoring von Themen im Internet. Die Suchergebnisse werden per E-Mail zugestellt.)
- Tipp: Beim Einrichten gleich im Kalender notieren, dass man vor Ende der Vertragslaufzeit kündigt. Sonst wird es eventuell teurer. Mit Glück bietet einem PrivadoVPN dann nochmal einen günstigen Tarif an – oder man wechselt.
Posteo statt Gmail – und dazu Thunderbird als E-Mail-App
- Verschlüsselte E-Mails
- 2 GB Speicher kosten 1,00 € pro Monat.
- Pro GB mehr: je 0,25 €/Monat.
- Man lädt sein Postfach mit einem Guthaben auf. Geht es zur Neige, wird man erinnert, es aufzuladen.
- Kündigungsfrist 14 Tage, Restguthaben wird ausgezahlt.
- Tipp: Bearbeite deine Posteo-Mails nicht im Browser. (Dort verwaltest du nur deinen Account.)
- Lade dir stattdessen die App Thunderbird (kostenlos) auf Rechner und Handy herunter.
- Posteo-Hilfeseite zur Verknüpfung mit Thunderbird
- Weitere alternative E-Mail-Provider bei European Alternatives (Englisch)
Signal als Alternative zu WhatsApp und zum Facebook-Messenger
- Chats sind standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt.
- Signal schützt auch die Metadaten (Nummern von Absender und Empfänger, Uhrzeit des Versands, IP-Adressen der Geräte).
- Pflichtangaben sind Telefonnummer und Name.
- Europäisch ist Signal allerdings nicht: Der Sitz der Stiftung ist in den USA.
- Achtung, um WhatsApp zu löschen, reicht es nicht, die App zu deinstallieren! Man muss auch seinen Account löschen (unter »Einstellungen«, im »Konto«).
- Weitere Alternativen nennt die Verbraucherzentrale: »WhatsApp-Alternativen: Messenger im Überblick«.
- Datenschutzbewertung zu Signal bei Mozilla Foundation
Alternative Büroprogramme von Apple: Pages statt Word, Numbers statt Excel
- Im Gegensatz zu Microsoft sind Apples Büroprogramme kostenlos auf Apple-Geräten verfügbar.
- Word und Pages sind miteinander kompatibel.
- Ebenso sind Excel und Numbers kompatibel.
- Du kannst jede Datei mit der jeweils anderen Software öffnen, bearbeiten, speichern. Es ist keine Festlegung auf die eine oder die andere Software nötig.
- Einfach mal anfangen und Pages parallel nutzen. Man kann jederzeit aufs andere Format zurückkehren.
- Als drittes Büroprogramm gibt es Keynote als Alternative zu Powerpoint. Da ich Keynote nicht ausprobiert habe, kann ich nicht beurteilen, ob der Umstieg mit einem aufwändig designten Folienmaster wirklich problemlos ist.
- Tipp: Wer ohnehin ein neues Layout braucht, kann ja gleich mit Keynote starten.
Soziale Netzwerke: Mastodon statt Meta und X
- Dezentralisierte Open-Source-Plattform
- Funktioniert ähnlich wie X
- Bei Mastodon warte ich noch auf meinen inneren »Di.Day«: Bisher habe ich mir nur vorgenommen, es mal auszuprobieren…
- Weitere alternative Netzwerke bei heise online: »Diese Alternativen zu X (ehemals Twitter) gibt's«.
Big Blue Button statt Zoom – für Video-Calls und Webinare
- Server-Standort: Deutschland.
- Kostenlos (wer kann, spendet einmal im Jahr für die Betriebskosten).
- Ich habe mit »BBB« beste Erfahrungen gemacht.
- Auch größere Online-Meetings mit z.B. 30 TeilnehmerInnen auf mehreren Kontinenten funktionieren reibungslos.
- Möglich sind auch »Breakout Sessions« für Gruppenarbeit.
- Big Blue Button-Konto anlegen
Apple Karten statt Google Maps als Navigationssystem
- Und was ist eigentlich mit dem Navi auf dem Handy?
- Apple-User sind mit Apple Karten bestens bedient.
- Wer auf die »Willkommen Zuhause«-Ansage verzichten kann, kommt ebenso sicher an.
- Auch Staus werden erkannt, alternative Routen angezeigt u.v.m.
- Im Gegensatz zu Google wird mit den Bewegungsprofilen des Navigationssystems kein Geschäft gemacht.
Daten lokal speichern statt Cloud-Services nutzen
- Wer seine Arbeit in die Cloud hochlädt, kann nicht wissen, welche Informationen Dritte aus den Daten ziehen.
- Wer sich sicher fühlen und endlose AGB ersparen will, sollte einfach lokal speichern.
- Als Alternative für Back-Ups und Sicherheitskopien sollte man sich einen lokalen Datenserver für das Heimnetz anschaffen (sogenannter NAS-Server, Network Attached Server). Produktempfehlungen und Anleitungen gibt es im Internet massig.
Fazit
Der Abschied von den Platzhirschen kostet ein bisschen Kraft, macht aber auch Spaß. Man entdeckt sinnvolle Tools und unterstützungswerte Initiativen. Der Hauptgewinn ist das gute Gefühl, der Ausspähung nicht hilflos ausgeliefert zu sein.
Also, wie der Chaos Computer Club sagt: Tragt das Evangelium weiter und gebt bei euren Freunden damit an! Das ist »social« im besten Sinne.
Foto:
Tim Reckmann on flickr, »Lächelnde Frau vor Server«, Lizenz CC BY 4.0.