Gut informiert? Medien und ihre Probleme mit Krieg und Frieden

Gabriele Krone Schmalz Medientagung Sintfluth Campaigning Medienkritik Journalismus

Ist es schnuppe, wie „Krieg und Frieden in den Medien“ dargestellt werden? Alle Leitmedien ignorierten eine Tagung Ende Januar in Kassel zu diesem Thema. Das ist nicht nur Pech für jene, die glauben, gut informiert zu werden. Es bringt ein Kernproblem auf den Punkt. ARD, ZDF, Spiegel, FAZ, Bild, Welt etc. – sie haben Milliardenapparate zur Verfügung, um umfassend, objektiv, unabhängig und im Sinne der Völkerverständigung zu berichten. Genau aus diesem Grund unterlassen sie es.

Hintergründe der Tagung

„Krieg und Frieden in den Medien“? Man sollte meinen, das elektrisiert die Top-Entscheider in Fernsehen, Hörfunk, Zeitungen etc. Schließlich müssen sie jeden Tag über Kriege berichten und haben ganz schön oft Ärger damit. Sie haben sogar den Auftrag, zur Völkerverständigung beizutragen. Doch keiner kam. Warum nicht? Eine Schelmenfrage.

Organisiert war der restlos ausgebuchte Kongress von einer Anwaltsvereinigung gegen Atomwaffen (IALANA, International Lawyers Against Nuclear Arms). Vom 24. bis 26. Januar tagten in einer Kirche in Kassel Juristen, Journalisten, Wissenschaftler, Friedensinitiativen, Kabarettisten und interessierte Bürger. Hochkarätige Redner waren z.B. Max Uthoff (Die Anstalt, ZDF), Historikerin Gabriele Krone-Schmalz (Foto), Jens Wernicke von Rubikon und Albrecht Müller von den NachDenkSeiten.

Was die Ignoranz bedeutet und worum es auf der Tagung ging

Zusammenfassend lassen sich die Themen der Tagung auf ein Problem zuspitzen, das zugleich erklärt, warum die Leitmedien nicht kamen. Sie betreiben nämlich vielfach Kriegspropaganda. Das ist nicht irgendsoein Gefühl – für Kriegspropaganda gibt es einen Punktekatalog. Mindestens zehn Kriterien legen fest, woran man Propaganda für Kriege erkennt (nach Lord Arthur Ponsonby: „Die zehn Prinzipien der Kriegspropaganda“). Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und die private Presse verstoßen mit Kriegspropaganda gegen ihren Auftrag und ihre Leitlinien. Dafür gab es zahlreiche akribisch recherchierte Beispiele.

Diese Verstöße haben fast nie Konsequenzen. Beschwerden werden systematisch so behandelt, dass sie folgenlos bleiben. Die Verantwortungslosigkeit ist organisiert. Genau dafür sorgt die Milliardenindustrie der Medien. Logisch: Sich dieser Kritik zu stellen, wagte kein einziges Leitmedium.

Ihre Funktion ist es ja gerade, dafür zu sorgen, dass sich nichts ändert und die Bevölkerung in Apathie versinkt bzw. mit Skandalen und Entertainment von den eigentlich wichtigen Kernfragen abgelenkt wird.

Um es noch deutlicher zu sagen: Die Funktion der Massenmedien ist entgegen weit verbreiteter Illusionen nicht die Beschreibung von „Wirklichkeit“ – sondern deren Bestimmung! Der Trick ist: Das Bild ihrer „Informationsfunktion“ erzeugen sie selbst. (Niklas Luhmann 1995: „Herstellung und Absicherung des verbindlichen Sinnhorizonts einer Kultur“, „Bestimmung all dessen, was als ,wahr und wirklich’ gilt“.)

Mit anderen Worten: Ihre Aufgabe ist es, Herrschaftsverhältnisse abzusichern. Und da gehen Privatinteressen seit jeher vor Gemeinwohl. Muss man erwähnen, dass Krieg ein Milliardengeschäft ist? Über die Medien wird uns vermittelt, wie wir darüber denken sollen. Das wichtigste Produkt der Medienindustrie sind wir selbst. 

Wer Frieden will, ist wirr im Kopf?

Zur Kriegspropaganda zählt es auch, den Ruf von Menschen zu schädigen, die das durchschauen und sich für Frieden (also gegen Krieg) einsetzen. Sie werden verunglimpft als Verschwörungstheoretiker, Wirrköpfe, Querfrontler, Rechte oder neuerdings „Aluhüte“. Dieser Ausdruck soll nahelegen, jemand würde sich vor seiner Umwelt mit einem Aluminiumhut abschirmen, weil er sie als verstrahlt empfindet. Wirklich sehr, sehr witzig. All das wurde mit vielen Beispielen u.a. aus Wikipedia eindrucksvoll belegt, beseufzt und diskutiert.

„Entschuldigen Sie, dass es nicht einfacher ist!“

Natürlich stellten sich als nächstes die Fragen: Was sind die Ursachen? Und was kann man tun? Zwangsläufig gelangt man zu finanziellen Abhängigkeiten. Zum Thema Vermögen, Macht, Herrschaft und Lobbyismus, zur Deregulierung der Märkte ab 1989 und zum Einfluss der USA. Man gelangt zu globalen Verflechtungen. Und zu Strukturproblemen, die so komplex sind, dass sie unlösbar erscheinen. Jetzt bloß nicht schlappmachen.

Diverse Redner entschuldigten sich beim Publikum, dass sie den Leuten viele anstrengende Details zumuten mussten. Was ohne Murren akzeptiert wurde.

Am Ende war die IALANA-Tagung ein großer Erfolg.  Auf die Frage, „Was kann man tun?“ gab es mehr Lösungsideen als man vielleicht für einen ersten Kongress dieser Art erhoffen konnte. Möge daraus mehr gedeihen!

     

    Mehr zur Medientagung hier im Blog

    Ulrike Sumfleth,
    Sintfluth Campaigning
    Mo, 05.02.2018, 10:30 Uhr