Kampagnenstrategie: Wen grillen wir?

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Welche Strategien gibt es, um ein politisches Ziel zu erreichen? Die Campact-Kampagne „Rewe grillt den Regenwald“ ist ein gutes Beispiel, dass man um die Ecke denken muss – aber damit auch sein Ziel verfehlen kann.

Der Fall: Eigentlich müsste die EU eine Gesetzeslücke schließen, die Tropenholz für Grillkohle erlaubt. Weil das Ziel aber wohl zu hoch erscheint, wurde es verkleinert und auf eine niedrigere Ebene verschoben. Statt die EU zu attackieren, übte Campact im Sommer Druck auf den Rewe-Chef aus. Skandalisiert wird, dass er die Holzkohle verkauft.

Ziele in der Schrumpfmaschine

Simsalabim: Das Ziel der Gesetzesänderung ist damit verschwunden. Übrig bleibt ein Appell an freiwillige Selbstverpflichtung. Befriedigend ist das nicht. Für diese Vorgehensweise spricht jedoch auch, dass überhaupt erstmal öffentliches Interesse erzeugt wird.

Denn Rewe kennt jeder – die EU ist dagegen ein abstraktes, unerreichbar wirkendes Gebilde. Mit einer öffentlichen Protestaktion gegen Rewe plus Unterschriftensammlung wird eine einfach verständliche Botschaft geschaffen, mit der man weiterarbeiten kann.

Man kann diese Strategie also so oder so sehen. Wenn die Aktion alles ist, hat man sein hehres Ziel vielleicht einer zu kleinen Maßnahme geopfert. Macht man jedoch weiter, kann das ein strategisch kluger Anfang sein: Mindestens 100.000 Verbraucher haben dann bereits ein Bewusstsein für das Thema entwickelt. Daran lässt sich anknüpfen.

Nicht selten muss man mehrstufig denken. Eine Kampagne heißt nicht, dass es bei einer bleibt. Oft muss man mit einer kleinen Maßnahme erst die Voraussetzungen für größere schaffen.

Wen wollt Ihr grillen?

Strategien zur Konfliktinszenierung sind auch Thema in meinen Kampagnen-Workshops. Der nächste findet im Januar 2019 statt.

Ulrike Sumfleth,
Sintfluth Campaigning
Mo, 15.10.2018, 18:11 Uhr