Kampagnenstrategie: Wen grillen wir?

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Welche Kampagnenstrategien gibt es, um ein politisches Ziel zu erreichen?

Die Campact-Kampagne „Rewe grillt den Regenwald“ ist ein gutes Beispiel, dass man um die Ecke denken muss – aber damit auch sein Ziel verfehlen kann.

Der Fall: Eigentlich müsste die EU eine Gesetzeslücke schließen, die Tropenholz für Grillkohle erlaubt. Weil das Ziel aber wohl zu hoch erscheint, wurde es auf eine niedrigere Ebene verschoben. Statt die EU zu attackieren, übte Campact 2018 Druck auf den Rewe-Chef aus. Skandalisiert wird, dass Rewe die Holzkohle verkauft.

Kampagnen-Ziele in der Schrumpfmaschine

Simsalabim: Das Ziel der Gesetzesänderung ist verschwunden. Übrig bleibt ein Appell an freiwillige Selbstverpflichtung. Befriedigend ist das nicht. Für diese Vorgehensweise spricht jedoch, dass überhaupt erstmal öffentliches Interesse erzeugt wird.

Denn Rewe kennt jeder. Die EU ist dagegen ein abstraktes, unerreichbar wirkendes Gebilde. Mit einer öffentlichen Protestaktion gegen Rewe plus Unterschriftensammlung wird eine verständliche Botschaft geschaffen. Damit kann man weiterarbeiten.

Man kann diese Strategie also so oder so sehen: Wenn die Aktion alles ist, hat man sein Ziel einer zu kleinen Maßnahme geopfert. Macht man jedoch weiter, kann das ein strategisch kluger Anfang sein. Mindestens 100.000 Verbraucher haben ein Bewusstsein für das Thema entwickelt. Daran lässt sich anknüpfen.

Beispiel 2: #RettetdasKlima: Saubere Kreuzfahrtschiffe jetzt!

Ein ähnliches Beispiel war 2019 die von Campact geförderte WeAct-Petition „#RettetdasKlima: Saubere Kreuzfahrtschiffe jetzt!“ Sie fordert weder ein Ende noch eine Reduzierung der Kreuzschifffahrt. Sondern nur, dass die Schiffe sauberer werden sollen. Zu diesem Zweck wird ein Appell an den Verkehrsminister adressiert: „Schluss mit Schweröl, mehr Landstrom und konsequente Abgasreinigung!“

Der Appell enthält keine juristischen Formulierungen zur Gesetzesänderung. Das Wort Massentourismus wird nicht mal erwähnt. Die Kampagne läuft einfach im Sog der Klimaschutz-Begeisterung.

Das reicht nicht jedem. Dafür spricht jedoch, dass es erfolgversprechend ist, wenn ein Thema aus verschiedensten Kanälen mit verschiedensten Ansätzen formuliert wird.

Nicht selten muss man mehrstufig denken. Eine Kampagne heißt nicht, dass es bei einer bleibt. Oft muss man mit kleinen Maßnahmen erst die Voraussetzungen für größere schaffen. Das genau lehrt die Theory of Change.

Wen wollt Ihr grillen?

Im Kampagnenstrategie Workshop analysieren wir, welche Vorgehensweise für Euer Thema erfolgversprechend ist. Wenn es z.B. keinen „Gegner“ gibt, sind softe Strategien gefragt, so oft beim Fundraising. Ihr lernt bewährte Techniken zur Konfliktinszenierung.

Ulrike Sumfleth,
Sintfluth Campaigning
Mo, 14.03.2022, 11:30 Uhr