Video: Pressefreiheit – Systemfehler im Mediensystem & Lösungsideen

Sintfluth Campaigning Pressefreiheit Vortrag Öffentlichkeitsarbeit Philosophischer Salon Köln

Wer sehnt sich eigentlich nach Digitalisierung? Das Schwurbelwort stand 2018 sage und schreibe 298 Mal im Koalitionsvertrag. Schon soll Deutschland „Digitalisierungsweltmeister“ werden. Diese Debatte lenkt jedoch davon ab, dass es in der Medienpolitik zuallererst um DEMOKRATIE gehen sollte. Mit meinem Vortrag im Philosophischen Salon Köln möchte ich auf Demokratiemängel in unserem Mediensystem hinweisen. Für einige Lösungsideen gibt es unterstützenswerte Initiativen.

Die Gemengelage in „den Medien“

Privater Pressemarkt? Konzerne. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk? Überversorgung mit Entertainment, Unterversorgung mit sozialpolitisch wichtigen Informationen. Verschlossen gegenüber Bürgerbeteiligung und -kritik. Engagierte Initiativen? Einzelakteure, dringen nicht in die „Leitmedien“ vor. Und oft nicht mal in die „alternativen“ Medien. A propos: Unabhängige Presse? Erreicht nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Hat kaum Kraft für Bündnisse und ist zunehmend selbst zerstritten. Und die Politik? Schwärmt von Digitalisierung…

So etwa ist die Gemengelage in „den Medien“. Der Unmut in der Bevölkerung gärt, die soziale Spaltung nimmt zu. Ich persönlich kenne keinen einzigen Menschen, der sich nach mehr Digitalisierung sehnt. Aber sehr viele, die nach mehr demokratische Mitsprache rufen und vom Parteiensystem enttäuscht sind, weil dieses regelmäßig gegen Gemeinwohlinteressen zugunsten von Privatinteressen entscheidet. Viele BürgerInnen kritisieren, dass die Massenmedien im Kampf gegen Ungerechtigkeit nicht „helfen“. Sie erleben sie als Verbündete einer Politik, die sie im Stich lässt, z.B. bei den Themen Rente, Hartz IV, Lohnerhöhungen, bezahlbare Mieten.

Was kann man daraus lernen? Medienpolitik ist von der Demokratie her zu denken, ausschlaggebend ist ihre soziale Funktion als „vierte Macht“, die Alarm schlägt, wenn öffentliche Interessen gefährdet werden. Das allermeiste, was wir über Politik, Wirtschaft und Recht wissen, wird uns jedoch durch die Massenmedien selbst vermittelt. Der Verweis auf „Pressefreiheit“ reicht nicht: Medienpolitiker müssen auch ihren sozialen Zweck interpretieren. Sie müssen die Möglichkeit demokratischer Meinungsbildung für die Bevölkerung stärker schützen. Vor allem durch Pressevielfalt, also durch ein höheres Angebot an unterschiedlichen Weltanschauungen. Werden wir doch erstmal Demokratisierungsweltmeister. Ein paar Ideen, wie das gelingen kann, stellte ich hier vor.

 Video: PRESSEFREIHEIT ulrike sumfleth im philosophischen salon köln

Ulrike Sumfleth,
Sintfluth Campaigning
So, 25.04.2021, 11:01 Uhr