Weg vom Fachsprech! Menschen aus dem Herzen sprechen

Einfache Sprache Framing Mobilisation Workshop Sintfluth Campaigning

Über Framing und Mobilisationstechniken in der Öffentlichkeitsarbeit: Wie man Bilder im Kopf erzeugt, die nicht versanden. Ein Hohelied gegen die abstrakte Fachsprache in Texten, Reden und Kampagnen.

Regelmäßig höre ich Leute seufzen: „Wir müssen raus aus dem Fachsprech! Wir landen ständig bei denselben Begriffen, ohne die es eben nicht geht. Ich fühle mich wie gefangen in diesen Worten, wie ,Klimagerechtigkeit‘ oder ,dezentrale Energieversorgung‘. Bei anderen heißt es: „Wir brauchen mehr demokratische Teilhabe“, eine „plurale Lehre“ oder eine „Gesetz-XY-Reform“.

Emotionen: null

Die Wahrheit ist: Abstrakte Begriffe sind tote Begriffe. Sie lösen keinerlei Bilder im Kopf aus. Jeder hat eine andere Vorstellung davon. Und diese Vorstellung ist auch noch vollkommen schwammig. Sie löst null Emotionen aus. Den Zugang zu Menschen aber findet man über genau diese Emotionen. Gefühle und nicht Fakten sind der Eisbrecher, um überhaupt ins Gespräch zu kommen. Gehör zu finden. Aufmerksamkeit.

Wenn das Framing wohlige Gefühle statt Protest auslöst

Im schlechtesten Fall löst Ihr durch falsche Keywords sogar „falsche“ Vorstellungen aus, die Ihr garantiert nicht wollt. Ein Beispiel: Ihr wollt „Sandabbau“ im Meer und in Flussbetten verhindern, weil der schlecht fürs Klima ist. „Sandabbau gefährdet das Klima“, argumentiert Ihr darum. Bei Sand denken die Menschen jedoch woran …? Richtig, an Sandkiste und Urlaub! Und bei „Klima“ denken sie mit glänzenden Augen an die Sonne.

Diese Begriffe rütteln niemanden auf! Sie führen in die falsche Richtung! Die Leute denken an etwas, was Ihr gar nicht wollt. Sie haben eine wohlige, angenehme Vorstellung davon, die in ihrem Unterbewusstsein schon in der frühkindlichen Phase entstand. Dagegen kommt ihr nicht an. Schon Säuglinge lernen, dass Sand und Sonne etwas Angenehmes sind. Darum ist „Sandabbau“ ein Frame, den man durch gezielte Spracharbeit bildlich zerstören muss. Man muss ihn re-framen, de-montieren und neue sprachliche Bilder aufbauen, die Eure Zielgruppe zukünftig mit diesem Thema assoziieren sollen.

Mit solchen Themen beschäftigen wir uns im Workshop „Raus aus dem Fachsprech! Framing und Mobilisationstechniken für die politische Arbeit“.

Viele NGOs und PolitikerInnen vergessen die Emotionen vor lauter Fakten

In diesem Workshop trainiert Ihr, wie Ihr Eure Zielgruppen sprachlich besser erreicht. Ihr lernt, gezielte Mobilisationstechniken einzusetzen in Eurer Öffentlichkeitsarbeit. Z.B. bei der Selbstpräsentation auf der Website. In Reden und Videos. Und in Kampagnen, Newslettern und Pressemitteilungen. Kurz: Ihr lernt, Menschen aus dem Herzen zu sprechen und dabei Botschaften einzusetzen, das sogenannte Messaging.

Viele Organisationen vergessen schlicht diesen ersten Part. Sie legen sofort los mit Fakten, Fakten, Fakten… Sie versuchen, nur durch Zahlen, Daten und Argumente zu überzeugen. Und wundern sich, dass die Welt nicht kopfsteht – vor lauter Empörung oder Begeisterung. Der Grund ist ganz einfach, dass der emotionale Zugang „vergessen“ wurde und weder emotionale Bilder noch Geschichten damit verbunden werden können.

Der Titel des Workshops ist darum Programm: Raus dem Fachsprech! Hin zu einer leicht verständlichen Sprache, die Eure Zielgruppe auch wirklich erreicht. Das trainieren wir anhand unserer eigenen Themen aus dem TeilnehmerInnenkreis. Wir erarbeiten uns das Handwerkzeug gemeinsam in Arbeitsgruppen. Selbstverständlich besteht dabei auch die Möglichkeit, sich untereinander kennenzulernen und zu vernetzen.

Jetzt informieren: Der nächste Workshop Mobilisationstechniken & Framing für die Öffentlichkeitsarbeit findet im April in Hamburg statt.

Ulrike Sumfleth,
Sintfluth Campaigning
Mo, 18.02.2019, 18:56 Uhr