Was heißt soziale Publizistik?

Ziel der Seminare ist eine sozialökologisch geleitete Wissensvermittlung. Die Lehrinhalte tragen der veränderten Lebensrealität Rechnung, dass heute jeder ein Marktteilnehmer ist. D. h. jeder steht im Spannungsfeld von Marktzwängen und gebotener Kapitalismuskritik. Die Konzentrationsdauer am PC beträgt nur noch 45 Sekunden – 2004 lag sie noch bei drei Minuten*. Jeder konkurriert mit jedem um Aufmerksamkeit. Wie man diese Aufmerksamkeit über Inhalte herstellt, darum geht es in den Workshops zu journalistischen Texten, Blattkritik, Kampagnenstrategie und Kommunikationstheorie.

* Studie von Gloria Mark. Die Arbeits- und Computerwissenschaftlerin forscht an der University of California in Irvine zu digitaler Ablenkung.

Wie kommt man von Fernsehzeitschrift zu Campaigning?

In mehr als 20 Jahren als Ressortleiterin und Stellv. Programmchefin im TV Spielfilm Verlag war mein Schwerpunkt die Wirtschaftspolitik. Das von mir geleitete Ressort war verantwortlich für Dokumentationen, Magazine und Talkshows und hat zu vielen Themen umfangreiches Fachwissen aufgebaut, von „Atomkraft“ bis „Zertifikatehandel“.

Mit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 stieg die Nachfrage nach Einordnung und  Glaubwürdigkeit der Presse. Ausführliche Hintergrundartikel und „Brennpunkte“ verlangen jederzeit aktuelle, fundierte Kenntnisse. Der Lobbyismus nahm zu, Denkfabriken versuchen die Presse zu beeinflussen – zugunsten der Posititionen von Global Playern. Das weckte mein Interesse an NGOs, die ein Gegengewicht bilden.

Insbesondere der Erfolg von Campact, die Millionen Menschen mobilisieren, hat mich überzeugt, dass Campaigning eine Journalismusform ist. Diese leistet Aufklärungsarbeit, die Redaktionen vielfach nicht mehr leisten können. Als Dozentin sehe ich in der Vermittlung bzw. Verbindung von Campaigning- und Journalismus-Knowhow eine sinnstiftende Aufgabe, Organisationen im Einsatz für Demokratie und eine faire Wirtschaft zu unterstützen.

Aus den gleichen Ambitionen bin ich Fördermitglied bei abgeordnetenwatch sowie Mitglied im Hamburger Gesprächskreis der NachDenkSeiten (nachdenken-in-hamburg.de). Die NachDenkSeiten begleiten die großen Linien der öffentlichen Meinungsbildung, kommentieren, hinterfragen, bieten rare Fakten und machen auf Zusammenhänge und Widersprüche aufmerksam.

Was bedeutet der Name?

Die biblische Sintflut führte zum Bau der Arche Noah. Alles ging wieder von vorne los… Weltuntergang und Neuanfang – das scheint mir ein passendes Bild unserer Zeit zu sein. In all den Krisen der vergangenen Jahre entstehen überall beeindruckende Initiativen, die Mut geben und als Vorbild taugen. Campaigning und unabhängiger Journalismus sind die Mittel unserer Zeit, um Vertrauen in Presse und Staat zu stärken und der Gesellschaft einigende Werte anzubieten.