Change the Story

Wie kommt man von Journalismus zu Campaigning?

NGOs und Initiativen leisten Aufklärungsarbeit, die Redaktionen vielfach nicht mehr leisten können. Sie kämpfen für soziale und ökologische Ziele – genau meine Motivation, weswegen ich Journalistin geworden bin. Von der breiten Öffentlichkeit werden diese Organisationen nicht als „Medien" wahrgenommen. Faktisch sind sie aber genau das. Sie verbreiten ihre Inhalte über äußerst gezielte Öffentlichkeitsarbeit: Campaigning.

 

In mehr als 20 Jahren als Ressortleiterin und Stellvertretende Programmchefin im TV Spielfilm Verlag war mein Schwerpunkt die Wirtschaftspolitik. Das von mir geleitete Ressort war verantwortlich für Dokumentationen, Magazine und Talkshows und hat zu vielen Themen umfangreiches Fachwissen aufgebaut, von „Atomkraft“ bis „Zertifikatehandel“.

Mit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 2008 stieg die Nachfrage nach Einordnung und  Glaubwürdigkeit der Presse. Ausführliche Hintergrundartikel und „Brennpunkte“ verlangen jederzeit aktuelle, fundierte Kenntnisse. Der Lobbyismus nahm zu, Denkfabriken versuchen die Presse zu beeinflussen – zugunsten der Posititionen von Global Playern. Das weckte mein Interesse an NGOs, die zunehmend ein Gegengewicht bilden.

Insbesondere der Erfolg von Campact, die Millionen Menschen mobilisieren, hat mich überzeugt, dass Campaigning eine Journalismusform ist. NGOs und Initiativen leisten Aufklärungsarbeit, die Redaktionen vielfach nicht mehr leisten können. Als Dozentin sehe ich in der Vermittlung bzw. Verbindung von Campaigning- und Journalismus-Knowhow eine sinnstiftende Aufgabe, Organisationen im Einsatz für soziale und ökologische Ziele zu unterstützen.

Aus den gleichen Ambitionen engagiere ich mich für direkte Demokratie, bin Fördermitglied bei abgeordnetenwatch und Mitglied im Hamburger Gesprächskreis der NachDenkSeiten (nachdenken-in-hamburg.de). Die NachDenkSeiten begleiten die großen Linien der öffentlichen Meinungsbildung. Sie hinterfragen, bieten rare Fakten und machen auf Zusammenhänge und Widersprüche aufmerksam.

Was bedeutet der Name?

Die biblische Sintflut führte zum Bau der Arche Noah. Alles ging wieder von vorne los… Weltuntergang und Neuanfang – das scheint mir ein passendes Bild unserer Zeit zu sein. In all den Krisen der vergangenen Jahre entstehen überall beeindruckende Initiativen, die Mut machen und als Vorbild taugen. Campaigning und unabhängiger Journalismus sind die Mittel unserer Zeit, um das Vertrauen in die Demokratie wieder zu stärken und der Gesellschaft einigende Werte anzubieten.