I Have a Dream – and not a Fünf-Punkte-Plan!

Sintfluth Campaigning Ringvorlesung Uni Hamburg

Geschichte politischer Kampagnen

Was hat Friedrich II. mit Campaigning zu tun? Ein sehr schöner und ungewöhnlicher Vortrag bei der Ringvorlesung zur Digitalisierung der Demokratie an der Uni Hamburg: Historiker Dr. Christof Biggeleben  von der Agentur Zeichenmangel zeigte auf, wie sehr zeitgeschichtliche Ereignisse den Gesetzmäßigkeiten von Kampagnen folgen.

Wesentliche Mechanismen haben sich seit 2000 Jahren nicht geändert. Durch Framing setzten schon Päpste Themen und betrieben Agenda Setting. Ein wohl nicht nur auf Twitter nahezu unbekanntes Wort: Ein Logothet (der die Worte spricht) verfasste einst offene Briefe an Könige, Fürsten, Bischöfe und war so was wie ein früher Regierungssprecher. Das Flugblatt war das erste Massenmedium (man denke nur an Luther und seine Thesen).

Albrecht Dürer hatte den Riecher für Personality Branding und entwickelte das erste Logo (nach der Kirche) der deutschen Geschichte. Mit der Organisation in Verbänden entstand ein politischer Massenmarkt für außerparlamentarische „Pressure Groups“, ein Ringen um Ausgleich zwischen Unternehmen, NGOs, Verbänden u.a. Korporationen.

Als Vater der Progaganda ging Edward Bernays in die Geschichte ein (der Typ, der Frauen zum Rauchen brachte). Sein Wissen um psychologische Beeinflussungsmethoden der Massen nutzte dann auch Goebbels…

Heute haben wir es mit fragmentierten Öffentlichkeiten im Plural zu tun. PR ist PPR: Permanente PR. Im Kampf um Aufmerksamkeit ist Zuspitzung unumgänglich. Wie vor 2000 Jahren gilt jedoch: Die Macht der Bilder, eine eingängliche Sprache und vor allem Emotionen (!) sind weitere „Geheimnisse“ erfolgreicher Kampagnen. Damals. Heute. Und in Zukunft.

Das gute alte Martin-Luther-King-Zitat gilt immer noch: „I Have a Dream" – and not a Fünf-Punkte-Plan! Den braucht man zwar, sollte es aber anders verpacken.

 

Ulrike Sumfleth,
Sintfluth Campaigning
Do, 01.11.2018, 22:04 Uhr